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Der Erdbeerwoche sicher begegnen

Eileen Trenkmann
21st May 2018
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#StarkeFrauenStarkeWirtschaft - Das Stuttgarter Start-up ‚The Female Company‘ bietet Bio-Tampons aus 100% Bio-Baumwolle, die frei von Chemikalien, Polyester und Parfümen sind und in verschiedenen Größen direkt nach Hause geliefert werden.

Die Menstruation der Frau ist nach wie vor ein Tabuthema in vielen Gesellschaften. In manchen asiatischen Ländern darf man an den roten Tagen nicht in den Tempel. In anderen Ländern müssen Mädchen und Frauen während ihrer Periode außer Haus schlafen oder dürfen nicht in die Schule gehen. Auch hierzulande bleibt die Regel der Frau ein verpöntes Thema. Jede Frau erinnert sich sicher an den ersten Kauf von Hygieneartikeln. Das peinlich berührte Ablegen der Tampons oder Binden auf dem Kassenband.

(Copyright Linda Ambrosius)

Über 2000 Tage während ihres gesamten Lebens haben Frauen ihre Periode. Oft begleitet von Schmerzen und Unwohlsein. Tampons sind eine glorreiche Erfindung, die uns Frauen das Gefühl eines hygienischeren Umgangs mit der Periode geben. Aber habt ihr euch schon einmal gefragt, aus welchen Materialien eure Tampons gemacht werden? Welche Chemikalien bei der Herstellung genutzt werden?

Soviel wir mittlerweile beim Einkauf von Nahrungsmitteln auf die Zutaten gucken, umso ignoranter sind wir oft beim Kauf eines Produktes, das direkt in unseren Körper geht. Noch dazu sind Hersteller herkömmlicher Tampons nicht dazu verpflichtet, die Inhaltsstoffe ihrer Produkte auf den Verpackungen auszuweisen. Und das, obwohl Baumwolle schon allein beim Anbau mit vielen Pestiziden behandelt wird.

Tampons kommen bis zu 16.000-mal in Kontakt mit den absorbierendsten Körperstellen einer Frau. Umso wichtiger ist es, sich um die Qualität und die Auswirkungen der Produkte zu sorgen, die Frau monatlich verwendet. Zwar gibt es mittlerweile Menstruationstassen aus ökologischen Materialien, aber noch ist nicht jede Frau bereit für diese Erfindung. Gleichzeitig sind die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht ausreichend geklärt. Nach der Erkrankung einer 37-jährigen Frau am toxischen Schocksyndrom durch die Tassennutzung, ergeben aktuelle Studien, dass das TSS-Risiko bei der Nutzung einer Menstruationstasse möglicherweise erhöht ist.

The Female Company

(Copyright Linda Ambrosius)

Sich dieser Problematik bewusst, gründet Sinja Stadelmaier gemeinsam mit ihrer Freundin Ann-Sophie Claus ‚The Female Company‘. Ziel der beiden Unternehmerinnen ist es, Frauen faire Hygieneartikel anzubieten. Gestartet haben Sinja und Ann-Sophie zunächst mit Bio-Tampons, die im individuellen Größenmix nach Hause geschickt werden und frei von Chemikalien, Pestiziden und Parfümen sind. In einem eigens eingerichteten Online-Shop können Frauen, ihren zum Periodenverlauf passenden Größenmix bestellen. Das ist nicht nur besser für die Schleimhäute, sondern spart auch Müll.

Die Tampons werden dann im gewünschten Zyklus pünktlich nach Hause geliefert. Neben Tampons wollen Sinja und Ann-Sophie in der Zukunft auch Bio-Binden und Bio-Slipeinlagen anbieten. Erhältlich sind die Produkte momentan im Abo, das jederzeit änderbar, pausierbar und kündbar ist. Damit war ‚The Female Company‘ das erste Unternehmen in Deutschland, das Tampons im Abo anbietet. Jedes Abo hat auch eine ganz besondere soziale Wirkung.

„Mit jedem abgeschlossenen Abo spenden wir Hygieneartikel an Frauen, die sich sonst keine leisten können. Dafür kooperieren wir mit Vereinen, wie beispielsweise mit dem Verein GirlsForGirls Community e.V.“, sagt Sinja.

Neben der Grundidee ökologisch vertretbare Hygieneartikel anzubieten, überzeugt auch das Design der Packungen und setzt ein klares Statement. „Das Thema Periode ist in der Vergangenheit stets stiefmütterlich behandelt worden. Wir brechen dieses Tabu. Mit unseren Designboxen, die von jungen Künstlerinnen entworfen werden setzen wir ein Statement in deutschen Badezimmern. Es ist an der Zeit, dass die Periode endlich als etwas Natürliches wahrgenommen wird, worüber Männer und Frauen aufgeklärt sind“, sagt Sinja. Langfristig möchten Sinja und Ann-Sophie auch den B2B Markt erobern und Bio-Tampons zum Beispiel für Frauen am Arbeitsplatz oder im Lieblings-Café verfügbar machen.

Zwischen Berlin und Stuttgart

(Copyright Linda Ambrosius)

Sinja und Ann-Sophie lernten sich am zweiten Tag ihres gemeinsamen Bachelorstudiums kennen. Seitdem sind sie gute Freundinnen, Reisepartnerinnen und seit kurzem auch Co-Founder. „Es wird immer gesagt, dass man nie mit Freunden gründen soll, aber wir haben uns darauf geeinigt, dass die Kommunikation das A und O unserer Zusammenarbeit ist“, sagt Sinja. Dies ist auch insbesondere wichtig, da Sinja momentan im Berlin wohnt und Ann-Sophie in Stuttgart. „Dank Digitalisierung und Bahngutscheinen kann man das aber heutzutage gut meistern und sogar Vorteile daraus ziehen“, führt Sinja weiter aus.

Nach dem Bachelorstudium macht Ann-Sophie zunächst ihren Master in Kommunikationsmanagement und sammelt während des Studiums erste Start-up Erfahrungen in einem Stuttgarter Kaffee-Start-up. Sinja zieht es raus in die Welt. Auch raus aus dem kleinbürgerlichen Milieu, in dem sie aufgewachsen ist.

„Ich bin in einer kleinen Gemeinde östlich von Stuttgart aufgewachsen, wo schwäbische Tugenden noch hochgehalten werden. Unter dem Motto ‚Schaffe – Schaffe – Häusle baue‘ wächst man im Stuttgarter Raum auf“, sagt Sinja.

In ihrer Familie ist Sinja die Erste, die das Risiko eingeht und sich selbstständig macht. Nach einem kurzen Abstecher in einer kleinen Markenberatung, wagt Sinja dann den Schritt und gründet ‚The Female Company‘. „Während meinem letzten Job gingen mir so nach und nach die Ausreden aus, wieso ich eigentlich nicht gründen sollte. Ich bin jung und hatte bereits etwas Geld zur Seite gelegt, also nicht viel zu verlieren. Unsere Gründungsidee war schon ein paar Monate Thema, bevor wir uns dann ins Abenteuer stützten. Meinen Job habe ich dann nach vielen schlaflosen Nächten und insgesamt fast vier Monaten Recherche- & Reifezeit aufgegeben und diesen Schritt seither nicht bereut“, führt Sinja weiter aus.

Ein wachsender Markt

Anstatt in die nächste App zu investieren, entschieden sich Sinja und Ann-Sophie für einen Markt, der niemals vollkommen ausgeschöpft sein wird. Zunächst auf Deutschland und Österreich fokussierend, sind insbesondere Entwicklungsländer, in denen die Periode der Frau ein noch größeres Tabuthema ist, ein zukünftiger Markt für die beiden Unternehmerinnen. Dabei agieren sie in einem Markt mit überaus starken Konkurrenten. Umso wichtiger ist für Sinja und Ann-Sophie die persönliche Nähe zu ihren Kundinnen.

„Wir setzen auf Persönlichkeit und Nähe zu unseren Kundinnen, um eine Vertrauensbasis zu schaffen. In unserer Kommunikation über Social Media nehmen wir unsere Kundinnen ganz nah in der Entwicklung mit und arbeiten seit Beginn an mit einer wachsenden Facebook-Gruppe“, sagt Sinja.

Jede Entwicklung validieren Sinja und Ann-Sophie mit ihren Kundinnen und erhalten so direktes und ehrliches Feedback. Auch regelmäßige Telefonate und Veranstaltungen, bei denen Frauen sich austauschen können, gehören zu dem Geschäftsmodell des Start-ups. „Der Leitgedanke ‚Von Frauen für Frauen‘ zieht sich wie ein roter Faden durch unser Unternehmen“, führt Sinja weiter aus. Momentan ist ‚The Female Company‘ noch bootstrapped, wird sich aber über kurz oder lang auf die Jagd nach einem Investor oder lieber vielleicht sogar einer Investorin machen.

Unter dem Hashtag #StarkeFrauenStarkeWirtschaft veröffentlichen wir in den nächsten Wochen inspirierende Stories von Frauenunternehmerinnen.

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